Psora

Auszug aus dem Buch von Dr.-Ing. Joachim-F. Grätz, ”Sanfte Medizin - Die Heilkunst des Wassermannzeitalters”:

 

 

Die Psora – Hahnemanns „Krätze“-Miasma

 

Das sogenannte chronische Krätzesiechtum Hahnemanns, welches jedoch nicht zu verwechseln ist mit unserer heutigen durch Krätzemilben verursachten Hautkrankheit Scabies („Krätze“). Krätze bedeutete zu Hahnemanns Zeiten – gemäß damaligem Wörterbuch – einen Sammelbegriff für alle nicht-venerischen Hautausschläge, die gejuckt haben. Und unter Psora, dem chronischen Krätzesiechtum, hat Hahnemann sämtliche Folgen von Unterdrückung und funktionellen Störungen verstanden, insbesondere von derartigen Hautausschlägen. Es geht also hauptsächlich um lokale Behandlungen von Krankheitsmanifestationen ohne die Gesamtzusammenhänge des Organismus im Auge zu haben. Ursprünglich hatte eine große Zahl von Hahnemanns Patienten Krätze oder andere juckende Hautleiden wie Pusteln, Ekzeme, Herpes etc., die durch äußere, lokale Behandlung beseitigt wurden. So hatte er über einen langen Zeitraum immer wieder beobachtet, daß die Symptome der chronischen Krankheit erst dann anfingen, nachdem die Hautkrankheit durch äußere Mittel gewaltsam zum Verschwinden gebracht wurde. Mit dem Wegfallen dieser äußerlichen – im Grunde genommen relativ harmlosen – Krankheitsmanifestationen ist die Krankheit ins Innere getrieben worden – dem Naturgesetz von innen nach außen völlig entgegengerichtet – und zeigt sich nun an lebenswichtigeren Organen, wie z. B. an der Lunge (beispielsweise im Form von chronischer spastischer Bronchitis oder Asthma), je nach Schwachstelle des inividuellen Organismus. Der Patient ist von einer „leichteren“ Krankheit befreit; dafür hat er sich eine schwerere hinzugezogen! Im Grunde genommen handelt es sich aber um denselben energetischen Prozeß, dieselbe innere Krankheit, die sich im Organismus nur anders äußert, aber deutlich verheerender wirkt. Wird nun beispielswiese das Asthma homöopathisch behandelt, so muß der Hautausschlag (z. B. die Neurodermitis) wiederkommen, sofern das Lungenleiden derart – durch Unterdrückung dieses Hautleidens – entstanden ist. Jener verschwindet dann unter demselben homöopathischen Arzneimittel wie das Asthma, oder – je nach Fall und Zusammenhang – wird ein passendes Folgemittel erforderlich. Hautausschlag und Asthma gehören also in diesem Fall zu ein- und derselben Krankheit hinter der Krankheit, dem Miasma Psora.

Laut Hahnemann gibt es fast nichts an chronischen Krankheitserscheinungen, was nicht seinen Ursprung in der Psora haben könnte. Die Psora ist das Grundübel schlechthin, sie ist „die Mutter allen chronischen Übels“, der Urheber aller funktionellen und pathologischen Störungungen im Organismus. Erst auf ihrer Basis sind Sykosis und Syphilis – zunächst akut und später dann chronisch – möglich. Ein paar Symptome der Psora seien im folgenden exemplarisch angeführt: Schwindel mit kurzem Bewußtseinsverlust; Drehschwindel mit Übelkeit; Übelkeit und Erbrechen beim Autofahren, so daß schon das Kartelesen als Beifahrer problematisch wird; ständig wiederkehrender Morgenkopfschmerz; Stirnkopfschmerzen; allgemeiner Haarausfall; frühes Ergrauen der Haare; trockene Kopfhautschuppen mit starkem Jucken; trockene exematöse Ausschläge; Juckreiz, der durch Kratzen erleichtert wird; Pickel, welche schmerzhaft sind und nicht eitern; Empfindlichkeit gegenüber Licht, auffällige Lichtscheu; starkes anhaltendes Jucken in den Augenwinkeln, das nicht vom Reiben gebessert wird; trockene schorfige Gehörgänge; vermehrtes Ohrenschmalz; Überempfindlichkeit gegenüber Geräusch und Lärm; starke Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen (wie beispielsweise Parfüms, Blumen, kochender Speisen, Kunststoffen etc.); Geruchshalluzinationen; Hitzewallungen in der Zeit der Wechseljahre; Dysmenorrhoe (schmerzhafte Regelblutung) in den Wechseljahren; trockene, pickelige, rauhe, schmutzig aussehende Haut; Geschmacksveränderungen (wie süßer, saurer, bitterer Geschmack oder Geschmack „wie verbrannt“); Hunger zu unnatürlichen Zeiten; Essen verursacht Schweißausbruch; übermäßiges Verlangen nach Süßem (besonders Zucker) oder Saurem, nach unverdaulichen Dingen, nach Stimulantien; bei Fieber häufig Abneigung gegen Süßes und Heißhunger auf Saures und Fruchtsäfte; saures oder bitteres Aufstoßen; Blähbauch mit Auftreibung des Bauches und Windabgang; Magensymptome vorübergehend besser durch heiße Getränke oder heiße Anwendungen sowie durch leichte Bewegungen und Aufstoßen; ständiges Hungergefühl; ißt über seine Verdauungskapazität hinaus; schnell satt; Blähungen und eingeklemmte Blähungen; Gefühl wie ein Stein im Bauch; wäßrige, durchfällige Stühle mit oft stinkendem, widerlichem Geruch; Durchfall vor Prüfungen und sonstigen Aufregungen; hartnäckige, anhaltende Verstopfung; Durchfall und Verstopfung wechseln einander ab; Analjuckreiz; trockener krampfhafter Husten; viele nervöse Herzbeschwerden wie z. B. heftiges Schlagen und Hämmern in der Herzgegend; funktionelle Herzbeschwerden mit viel Angst und Schmerzen; Beklemmungsgefühl in der Brust oder Herzenge; Gefühl von Zusammenschnürung der Blase; leichtes Brennen beim Wasserlassen; Harninkontinenz beim Niesen, Husten, Lachen oder bei leichter Erschütterung; Brennen der Fußsohlen; Taubheit oder Kribbeln der Gliedmaßen; Kälte einzelner Körperteile; ständiges Frösteln; viele Hautausschläge, insbesondere mit heftigem Juckreiz; Hautverletzungen heilen schlecht ab; mutlose und geschwächte Konstitution; Beklemmung, Unbehaglichkeit und große Ängstlichkeit; Beschwerden durch Kummer, Ärger oder unglückliche Liebe; sogenannte „als-ob-Symptome“ wie z. B. „Gefühl, als ob etwas Lebendiges im Kopf wäre“ oder „beim Gehen Gefühl des Gleitens in der Luft, als ob die Füße nicht den Boden berührten“; chronische Schlaflosigkeit; Gefühl von Müdigkeit und Erschöpftsein; viele Kopfschmerzsymptome; ... und vieles mehr.

Die Psora ist sehr leicht übertragbar; allein ein Hautkontakt genügt. Sie wird aber auch genetisch weitergegeben und vererbt. Das bedeutet: Ein Mensch kann trotzdem psorisch sein, auch wenn er in seinem Leben niemals Hautprobleme gehabt hat; die Reaktionsweise im Sinne von Krankheitsverschiebung (von einem Organsystem auf ein anderes) und dergleichen ist ihm jedoch eigen.

An dieser Stelle sei eine generelle Bemerkung zu dem Begriff Hautkrankheiten gestattet: Die Homöopathie kennt keine eigenständigen Hautkrankheiten mit der einen Ausnahme von Verletzungen, Verätzungen, Verbrennungen, Vergiftungen und dergleichen mehr. „Hautkrankheiten“ sind vielmehr Ausdruck eines oder mehrerer kombinierter Miasmen, also nur der sichtbare Teil eines tiefer liegenden Ur-Übels und fungieren als Entlastung des Organismus für die eigentliche innere Krankheit, quasi als Ventil oder Schleuse, um schädliche Toxine auf die Peripherie zu treiben, von innen nach außen, gemäß dem allgemeinen Lebensprinzip. Hahnemann spricht von Beschwichtigung des inneren Leidens. Wird nun dieses Ventil durch äußere Manipulation von der Oberfläche genommen, so kann das zur Folge haben, daß sich der Organismus ein neues Ventil zu seiner Ausbalancierung suchen muß. Dies kann – je nach individueller Vorbelastung und Schwachstelle – durchaus ein lebenswichtigeres Organ sein, sofern er nicht mehr die Kraft hat, es an die Peripherie zu treiben. Resultat ist dann eine allgemeine Verschlimmerung des ursprünglich relativ harmlosen energetischen Grundleidens.

Bei einer Neurodermitis beispielsweise, die trotz allopathischer Behandlung immer wieder durchbricht, ist die Lebenskraft immer noch so vital, dieses zu schaffen (man sollte also „froh“ sein!). Dagegen ist die Lebenskraft eines Patienten, dessen Neurodermitis durch lokale Maßnahmen verschwunden ist und nicht mehr in Erscheinung tritt, um ein Vielfaches geschwächter, da sich die innere Krankheit vom energetischen Standpunkt aus verschlimmert hat. Man darf also nicht unbedingt stolz darauf sein, daß die Hautkrankheit „erledigt“ ist; sie wird gewiß wiederkommen, sobald die Lebenskraft wieder erstarkt und in der Lage ist, alles auf die Peripherie, das heißt hier Haut, zu treiben. Erst dann wird die „neue Erkrankung“ abtreten können. – Hautärzte (wie auch viele andere Spezialisten) dürfte es aus diesem Grunde eigentlich gar nicht geben – jedenfalls nicht im Hinlick auf eine gezielte Therapie, bestenfalls für eine gute Diagnosefindung –, denn sie haben zumeist den Blick fürs Ganze verloren!

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